Vogellose Steine

Vogellose Steine

Das Licht. Schauen was sich verändert, und dass es mich immer noch nicht tötet. Unbehaglich grell. Nur noch wenige Vögel. Die Hecken wurden gerodet. Passten nicht zu den neuen Gartenmöbeln.
Vogellose Steine, Flechten, stummes Geschrei. Vogellose Luft, taube Ohren, blattloses Geäst. Fäden klirren im gefrorenen Nebel und Moos auf den Zweigen einer Winterbirke.
Das Unmögliche möglich, die Zeit zu einer winzigen Kugel im Jetzt zusammen kneten, vergeht sie, rast nicht weiter, überschlägt sich im Fluge all der schattenlosen Dinge, die sich von selbst erledigen.
Fängt bei Null wieder an und stöhnt unter der Peitsche, weiter, weiter, schreit Stopp, die Zeit, nein, Einhalt!
Ist eine Alte, die Zeit, von vorgestrigen Schneenächten, in denen noch die Ruhe ihre Gesellin und ist doch klüger als die meisten von uns, kennt die Zukunft auf vogellosen Steinen

Sabine Hönck, Montags bei Meesenburg, Unterwegstexte, 2017