EMPORSTEIGEN
emporsteigen ins leichte Gewölke den Morast der Straßen
mit den Stiefeln abschütteln das Fliegen verlernt und an unsichtbaren
Geländern festhalten alles ganz klein unter mir bis auf
die Spitze treiben was ins Auge sticht weiter empor
loslassen den Widersinn und dann
Engelchöre auf blaurosa Wolkensofas mit blitzenden
Posaunen rund um den Rauschebart?
wer glaubt noch an den Weihnachtsmann kühl hier
mich fröstelt die Flügel zittern und die paar Krähen unter dem
Himmel machen noch keinen Sommer
bis zu den Lerchen und ihren fast unhörbaren Lufttreppen
ist es noch weit
Krähen im Winterhimmel trotz
nicht abreißendem Klangteppich weit oben dröhnender Motoren (ab in
die Sonne oder schnell mal ein Weekend shoppen in London) haben
sie sich wie ein Lebenszeichen im kahlen Geäst
einiger Vorgartenbirken nieder gelassen
Eis auf der Straße Frostfilm auf Pfützen Lufttreppen im Winter
Achtung Stolpergefahr lieber Bodenhaftung und
übers Feld schauen weit übers Feld und da
der Schrei einer Eule frostig
heiseres Geschenk
Sabine Hönck, Montags bei Mesenburg, Unterwegstexte, 2017
