Schnee auf den Dächern

SCHNEE AUF DEN DÄCHERN

und auf kahlen Ästen ein stetiges Fallen
geräuschlos winzige Wassersterne
dicke kalte Kissen auf dem letzten Purpur der Fetten Henne
Schnee auf den Dächern
der Himmel tief

silbern blinken kippende Flügel
In Sturzwenden
verschwinden in der Bläue Luft im Schnabel
Schnee auf den Dächern
unter dem Himmel ein Rauschen

knirschende Schritte
nach Hause kommen den Schneemantel vor die Fenster gehängt
Licht sprühendes Dunkel in Winterwolken
mit nebligem Frostatem Eisblumenwörter verschenkt
ins Blaue gelacht
den Schneewein getrunken den Winter

Schnee auf den Dächern und öffnen die blinden Augen
die Seele will Schneeflügel
kleine Versatzstücke aus dem Schneekosmos loseisen
und ihr flattrige Flügel anschrauben
dann aber abschwirren
weiß still

Sabine Hönck, 2013

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Steine

STEINE

stummes Blau
fein geädertes Schweigen
vor Jahrtausenden
alles besungen
was jemals im Meer
gewohnt

an den Strand gespült
mit Seepocken vermoost
oder kalkweiß
gescheuert steinhart weich
Haut an Haut
sacht ans Ohr gehalten
knistert Feuer
verdampfen Wasserfontänen

enthüllt sich
das eine und andere
Geheimnis

Sabine Hönck, Gedichte,

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Wer sagt denn

WER SAGT DENN

dass du glücklich bist
dein Herz
dir selbst gehört
auch in der Nacht
leise am Rand der Welt
und ob es zu dir
spricht während du
irgendwo
allein unter Fremden
wartest und ob
du ihm lauschen kannst
mit Ohren so fein
von all dem Himmel
unter dem du schon gesegelt
und von all der Erde
auf der du schon gelegen
horchend auf ihren
blauen Ton
in den frühen Stunden den ersten
Frostnächten
den Berg hast wispern hören von
den alten Geschichten
kuriosen Legenden
die in seiner Tiefe ruhen und
die er nur denen erzählt
die kommen
allein
um sie zu hören aufzusaugen
mit diesem Hunger
nach den glorreichen Helden
der alten Erde
unter rissiger Lava begraben
gesunken Jahrtausende
immer tiefer
zwischen das heisere Geflüster
alter Frauen
die noch denken wie ein
Berg

derweil
du glaubst
das Glück käme wie
es geträumt

Sabine Hönck, Nachtblinde Gespräche. . , 2008

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Septembermorgen

SEPTEMBERMORGEN

drei Bohnen hängen noch
die Endivie steht gut
im Teich Ruhe keine Fontänen
der Himmel bedeckt
ein kleiner roter Fisch wedelt mit der Schwanzflosse
im brackigen Wasser spiegelt sich dennoch
die Gemeine Feldsonnenblume
der Kastanie war dieser Sommer zu trocken
Südwest weht Motorengeräusche herüber
ein Sonntagsbass aus dem Autoradio
nebenan
Luft riecht nach Regen

Sabine Hönck, Nachtblinde Gespräche . . . , 2013

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