Über  Schreiben  I

Wenn Schreiben leicht geht, dann fließt es schnell und quirlig aufs Papier, bildet sich schon die nächste Idee während die Jetzige ausgestaltet wird, taucht immer wieder eine neue Gestalt aus dem Nebel der noch unbekannten Fortsetzung auf, tritt näher hinzu mit deutlicheren Konturen, lässt sich packen und beschreiben und macht der nächsten Platz, fügt sich ein Wort an das nächste.
Dann gehen Türen auf, auch zu verrückten Szenarien und kollerbuntem Treiben, auch Wörter, die es vielleicht gar nicht gibt, die sich fressen, verschlingen und in die dunkle Nacht davon stieben.
Türen zu Unterwelten, wo Monster hausen, die schon lange kein Licht mehr gesehen haben und trotzdem nicht nur schrecklich sind. Auch wenn sie Puppen fressen, den Mond anheulen und mich verhöhnen. Gestalten, die schräg und unverschämt arme, schüchterne Menschen erschrecken . . .

Sabine Hönck, aus dem Journal, Juni 2025

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